Zwingerhaftpflicht

Die Hundezwingerhaftpflicht stellt eine besondere Form der Tierhalterhaftpflicht dar: Statt jeden Hund einzeln absichern zu müssen, umfasst die Zwingerhaftpflicht alle Tiere eines Züchters. Gegenstand sind Schäden, die die Tiere Dritten zufügen. Wie bei jeder anderen Haftpflicht gelten sowohl Personen- und Sachschäden als auch Vermögensschäden als versichert.

Als Hundehaftpflichtversicherung erfüllt die Zwingerhaftpflicht gleich mehrere Funktionen: Sie prüft zunächst die Schadenersatzansprüche auf deren Rechtmäßigkeit. Sind die Forderungen nicht begründet, wehrt sie diese ab. Ansonsten reguliert sie die verursachten Schäden.

Hundezwingerhaftpflicht

Hundezwingerhaftpflicht für Züchter unverzichtbar

Rund siebzig Prozent der deutsche Hundehalter ist sich der Risiken bewusst, die die Haftung für ihre Tiere darstellt: Sie haben eine Hundehalterhaftpflicht abgeschlossen, um ihre finanzielle Existenz zu schützen und die Regulierung der Schäden sicherzustellen. Dem Grundsatz nach haften Tierhalter nämlich mit ihrem gesamten privaten Vermögen – und damit faktisch in unbegrenzter Höhe.

Insbesondere bei Personenschäden ist der Haftpflichtanspruch nämlich nicht zu kalkulieren: Einerseits haben die Geschädigten bzw. die Krankenversicherungen Anspruch auf Erstattung der Behandlungskosten, Medikamente und Therapien, andererseits aber auch auf Schmerzensgelder, Einkommenseinbußen und die Kosten für den Rechtsanwalt.

Unerheblich ist dabei, ob dem Tierhalter ein Verschulden belegt werden kann – hier gilt die Gefährdungshaftung. Es reicht grundsätzlich aus, einen Hund zu halten, um in Haftung zu stehen. Diese umfasst wiederum nur die Schäden, die Dritte erleiden. Zerstört der Hund jedoch das Eigentum des Halters oder der mit ihm gemeinsam im Haushalt lebenden Angehörigen, greift der Versicherungsschutz nicht.

Welpen oft automatisch mitversichert

Die Hundezwingerhaftpflicht bezieht alle vom Züchter gehaltenen Tiere mit ein, in vielen Fällen werden Welpen bis zu einem bestimmten Alter kostenfrei eingeschlossen.

In Deutschland leben rund 7 Millionen Hunde, davon sind ca. 70 Prozent haftpflichtversichert. Jährlich verursachen die Tiere 100.000 Schäden – die Kosten belaufen sich auf rund 80 Millionen Euro pro Jahr. (Quelle: GDV)

Zwingerhaftpflicht – Anbieter

Es gibt zahlreiche Versicherungsgesellschaften, die eine spezielle Hundezwingerhaftpflicht anbieten – und das mit bis zu 15 Millionen Euro Deckungssumme für Personen-, Sach- und Vermögensschäden. Dazu zählen beispielsweise:

  • Allianz
  • AXA
  • R+V
  • Uelzener
  • CosmosDirekt
  • Münchner Verein

Ein genauer Blick auf die Leistungsumfänge ist wichtig, denn es gibt gravierende Unterschiede bei Preis, Leistung und Service (vor allem bei der Schadensregulierung).

Mögliche Leistungen der Zwingerhaftpflicht

  • hohe Deckungssummen – bis 15 Millionen Euro
  • ungewollter Deckakt – Deckschäden
  • Führen ohne Leine bei Leinenzwang
  • kein Maulkorbzwang
  • Teilnahme an Turnieren oder Veranstaltungen
  • Tierhüterrisiko
  • Auslandsaufenthalte weltweit
  • Mietsachschäden
  • Welpen in Versicherungsschutz eingeschlossen
  • Schutz auch im Hundeverein und auf dem Hundeplatz
  • Agility und Flyball

Einige Anbieter räumen auch die Möglichkeit ein, die Beiträge mit einer Selbstbeteiligung zu reduzieren. In so einem Fall zahlt der Versicherungsnehmer im Schadensfall einen bestimmten Betrag selbst, bekommt dafür aber günstigere Monatsraten für die Absicherung.

4 Schadensfall-Beispiele für die Hundezwingerhaftpflicht

Schadensfall-Beispiel 1
Verschließt der Züchter versehentlich das Hof- oder Zwingertor nicht richtig und ein Hunde kann auf die Straße laufen, drohen Verkehrsunfälle: Können Auto- oder insbesondere Motorradfahrer ihr Fahrzeug nicht mehr ausreichend abbremsen oder ausweichen, weil der Hund plötzlich auf der Straße auftaucht, haftet der Tierhalter. Insbesondere bei Personenschäden summieren sich die Forderungen, wenn der Betroffene beispielsweise über die Behandlungs- und Fahrzeugreparaturkosten hinaus auch einen Verdienstausfall und Schmerzensgeld geltend macht.

Schadensfall-Beispiel 2
Schon ein Spaziergang kann fatale Folgen haben: Reißt ein Hund nämlich aus und läuft auf Passanten zu, reagieren diese nicht immer geistesgegenwärtig. Erschrecken sie sich so, dass sie beim Zurückweichen stürzen und zu Schaden kommen, sind diese Folgen ebenfalls dem Tierhalter anzulasten. Neben eventuell in Mitleidenschaft gezogenen Textilien können bei einem Knochenbruch hohe vierstellige Beträge auf den Hundehalter zukommen, die sich bei Bedarf auch noch um die Kosten für den Anwalt und Gerichtsgebühren erhöhen.

Schadensfall-Beispiel 3
Reißt ein Rüde aus, um zu seiner läufigen Hündin in der Nachbarschaft zu gelangen, können sich deren Tierhalter beim Züchter schadlos halten: Diese sogenannten Deckschäden sind ebenfalls Gegenstand einer Hundezwingerhaftpflicht.

Schadensfall-Beispiel 4
Neben zerfetzten Schuhen, Polstern oder Spielzeugen zählen vor allem beschädigte Fahrzeuge zu den typischen Sachschäden, die eine Hundezwingerhaftpflicht übernimmt: Freut sich ein Hund nämlich auf Besuch, der mit dem Auto anreist, springt er durchaus auch am Fahrzeug hoch – wird er nicht gezielt gehalten. Lackschäden sind dabei unvermeidbar, schon kleinste Reparaturen können mehrere hundert Euro kosten.

Die Zwingerhaftpflicht im Überblick

Sobald mehrere Hunde abzusichern sind, empfiehlt sich eine Hundezwingerhaftpflicht. Im Vergleich zu mehreren Einzelverträgen bietet die Zwingerhaftpflicht deutlich günstigere Konditionen und lässt zudem die Möglichkeit, das Leistungspaket individuell zu erweitern.

Welpen regelmäßig beitragsfrei eingeschlossen

Alle von den versicherten Tieren geborenen Welpen sind kostenfrei mitversichert, bis sie das Alter von sechs Monaten erreicht haben. Danach müssen sie in der Zwingerhaftpflicht angemeldet werden, sollten die Jungtiere nicht zwischenzeitlich verkauft worden sein.

Vertragsstand flexibel anpassbar

Die Zwingerhaftpflicht wird zwar mit einer bestimmten Laufzeit abgeschlossen, das heißt aber nicht, dass während dieser Zeit verstorbene Tiere versichert bleiben müssen. Für diesen Fall oder bei Verkauf können Züchter ein Sonderkündigungsrecht in Anspruch nehmen. Wird dies nachgewiesen, kann auch der relevante Vertrag angepasst oder aufgehoben werden. Als Beleg reichen die Bescheinigung des Tierarztes oder die Kopie des Kaufvertrages, um bei Bedarf eine Beitragserstattung zu bewirken.

Kampfhunde über Zwingerhaftpflicht versicherbar

Über eine Hundezwingerhaftpflicht lassen sich auch Listen- oder Kampfhunde sowie Kreuzungen abgesichert werden.

Vorgehen im Schadensfall

Schäden lassen sich nicht vermeiden. Umso wichtiger ist es, im Schadensfall umsichtig und besonnen vorzugehen.

  • Zunächst sind natürlich eventuell notwendige Hilfeleistungen zu organisieren, sollte es zu einem Personenschaden gekommen sein. Tierhalter übergeben dem Geschädigten am besten die Versicherungsdaten, damit diese sich direkt mit dem Versicherer auseinandersetzen können.
  • Um Probleme zu vermeiden, sollte die Schadensmeldung schnellstmöglich bei der Zwingerhaftpflichtversicherung erfolgen. Diese wird dann direkt in die Prüfung eintreten und dem Geschädigten einen Fragebogen für Anspruchsteller zusenden. Schon der Abgleich der Schadensdarstellungen vom Tierhalter einerseits und dem Geschädigten andererseits eröffnet wichtige Aufschlüsse.
  • Bei Bedarf werden jedoch auch Gutachter oder Gerichte eingeschaltet, sollten sich strittige Punkte ergeben.

Mit der Schadensmeldung an die Zwingerhaftpflicht haben Versicherte ihrer Pflicht Genüge getan, alle weiteren Schritte werden von dort aus organisiert.

Fazit

Die Zwingerhaftpflicht weist ein ausgesprochen interessantes Preis-Leistungsverhältnis aus. Im Extremfall schützt sie die finanzielle Existenz des Züchters, sollten beispielsweise lebenslange Rentenleistungen nach einem von einem versicherten Hund verursachten Personenschaden notwendig werden. Nicht nur der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt deswegen diese Absicherung, in einigen Bundesländern ist sie bereits Pflicht (s. a. In diesen Bundesländern ist die Hundehaftpflichtversicherung Pflicht.). In jedem Fall sollte zunächst der Versicherungsbedarf detailliert ermittelt werden, um auf dieser Grundlage die geeignete Police herauszufinden.